Kurt Ahrens

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Der begnadete Amateur

Kurt Ahrens: Der Hobbypilot, der so schnell wie die Profis war

Auszug eines Artikels von Eckhard Schimpf (BZ 18.11.99)

Der heute 59jährige besucht nur selten mal ein Rennen, aber er ist informiert, was auf den Pisten passiert. Kurt Ahrens war nie ein Medienliebling. Er hasste es geradezu, im Mittelpunkt zu stehen. Aber wenn man heute die Vollgas-Stars von einst – lckx oder Brabham, Herrmann oder Attwood, Bell oder Pescaloro – auf Ahrens anspricht, sind allesamt einer Meinung: “Kurt was a very fast guy” – ein äußerst schneller Bursche. Er galt als Naturtalent, der es auch in der Formel 1 weit hätte bringen können. Doch im besten Rennfahreralter – gerade mal 30 – hörte er nach 13 Rennjahren plötzlich auf. Seine Begründung: “Es reicht. Ich möchte mich mehr um meine Familie kümmern und mehr Ruhe haben.” Die hat er heute wie damals erträumt.

Ahrens-Brabham-F1-1968-d-6-swDoch auch etwas anderes mag damals unterschwellig mitgespielt haben: Das Risiko im Cockpit war hoch. In den 60er Jahren (auch Anfang der Siebziger) waren die Rennen noch lebensgefährlich. Leitplanken, Auslaufzonen, Kiesbetten, Feuerschutz gab es kaum. Mehr als ein ganzes Starterfeld der Ahrens-Zeit ist tödlich verunglückt. Jochen Rindt und Jim Clark, Gerhard Mitter und Jo Siffert, Lorenzo Bandini und Joe Schlesser, Lucien Bianchi und Piers Courage, Pedro Rodriguez und Rolf Stommelen, Paul Hawkins und Mike Spence. Die Reihe ließe sich noch lange fortführen. Die Gruppe der Weltklassepiloten war zu allen Zeiten klein. Kurt Ahrens gehörte zwischen 1967 und 1970 dazu. Er, der 1958 in der damaligen Formel 3 (500 ccm Hubraum) mit einem Cooper seine ersten Rennen gewann, galt jahrelang als ausgesprochener Formelwagenspezialist. Dreimal war er Deutscher Meister (1961, 1963 und 1965), einmal Europapokalsieger (1967) und nur “nebenher” fuhr er “zum Taschengeldverdienen” Werkswagen von Abarth und BMW. Doch internationale Anerkennung erntete er in den beinharten Rad-an-Rad Duellen der Formel 2, in der damals auch stets die Formel 1 Cracks mitmischten. Jack Brabham bot ihm dann 1968 für den GP von Deutschland einen Formel 1 an. Ahrens sagte zu, erklärte aber gleich, dass die Formel 1 für ihn “kein Dauerthema” sei. Ein ungewöhnliches Statement für einen 28 jährigen.-Nürburgring 1968-Bearbeitet

Doch man darf nicht vergessen, daß Ahrens damals im Profizirkus immer “nur“ Hobbyrennfahrer war und die ganze Woche in der väterlichen Alteisenverwertung hart arbeiten musste. Und der wohlhabende Vater Ahrens, selbst erfolgreicher Motorsportler, akzeptierte keinen „Nur-Rennfahrer“ in der Familie. Statt der Formel 1 nahm Ahrens 1968 aber das Angebot an, Werksfahrer bei Porsche zu werden. Hier zeigte er drei Jahre lang seine hohe Klasse. 1969 war er beispielsweise der einzige, der auf dem Österreichring mit dem schwierig zu fahrenden 917 Jo Sifferts Zeiten erreichte. Siffert/Ahrens gewannen dann auch den “Großen Preis von Österreich”. Nach einem zweiten Platz mit Siffert im 917 in Kyalami hängte er den Sturzhelm an den berühmten Nagel. So endete eine bemerkenswerte Karriere, in der Ahrens in über 300 Rennen (mit Ausnahme eines Testfahrt Crashs im 917 auf der VW – Versuchsbahn) nie einen Unfall hatte und nie ein Auto verschrottete.